Meine weiteren Gedichte
Ich schreibe Gedichte. Denn lieb‘ ich die Sprache.
Die Heimat. Und Sitten. Was scheinbar mich band.
Ich brauche nicht vieles. Mich rührt halt die Sache.
So find' ich dich Deutschland. Ich liebe mein Land.
-Marc Donis -
Der Inhalt dieser Seite
Ansicht und Mythen
Die Mythen der Sorben
Im Grunde der AfD
Die Gärten von Sachsen
Ansicht und Mythen
Dem Bürgermeister und der Stadt Eberswalde gewidmet.
Und steht auch am Ufer bis heute die Eiche.
Versinkt sie im Grünen und prägt sie den Strand.
Man sagt auch, ein Kater die Äste beschleiche.
Erzählt er die Mythen, die hat er gekannt.
Und läuft er gefangen. Denn hält ihn die Kette.
So läuft er tagtäglich. Und nächtlich im Kreis.
Und dichtet und spricht er. Die Sagen er hätte.
Erzählt er Legenden. Die keiner hier weiß.
So schreitet nach rechts er. Erklingen die Lieder.
Sodass er die Strophen mit Liebe dann singt.
Denn trifft man die Sagen im Walde so wieder.
So schreitet nach links er. Das Singen verklingt.
Denn kennt er die Wesen und Nixen, die lauern.
Verliert bald ein Sucher beim Wandern den Weg.
Und während Geblicke. Die tausend erschauern.
Erzählte der Kater Geschichten mir träg‘.
So schrieb‘ ich die Sagen. Ich denke schon nieder.
So steht noch bis heute. Die Eiche, die treibt.
Ich glaube, ich komme. Als Dichter bald wieder.
Damit ein Vermächtnis. Den Leuten verbleibt.
Verschliefen die Länder. Die Flüsse, sie trieben.
Und brachten sie schließlich der Stadt ihre Nacht.
Sodass auch die Wolken des Sommers verblieben.
Denn haben wohl diese die Blumen gebracht.
Es schien auch, als lägen. Recht müde die Träume.
Die flossen wie Nebel. Die Finow verwegt.
Umschlossen die Blüten der Sterne die Bäume.
Sie zeigten das Leben. Das jeder wohl trägt.
Verschwamm‘ nun der Tage. Am Ende so trunken.
Und hingen die Schleier des Abends azur.
So waren die Wälder schlussendlich versunken.
Und glänzten im Monde wie Perlen der Schnur.
Durchbrachen die Lichter recht kraftlos die Stelle.
An der noch die Sonne im Jenseits versank.
So grüßte der Lichtschein. Im Abend, der Helle.
Die Stadt und die Länder. Vielleicht so zum Dank.
Der Himmel entflammte durch dieses Versinken.
Und glänzten die Straßen. Dadurch wie die Glut.
Sodass auch im Scheinen die Sterne verblinken.
Ummalten sich Farben der Wolken wie Blut.
Und irgendwie alles erschien auch verlegen.
Die Schwärze verfloss auch im Abend allein.
So mochte das Ried sich am Ufer auch regen.
Als säße die Nixe recht einsam am Stein.
Es war so, als schien sie den Jungen erwarten.
Der gab ihr aus Liebe, den Ringe. Der drang.
Verließ er sie schließlich. Die Herzen erstarrten.
Und während der Trauer ein Liede sie sang:
„Fahr wohl nun, du Ringe. Der wurde gestohlen.
Fahr wohl nun, du Liebe. Auf ewig und Zeit.
Ich wünschte, ich könnte die Liebe verhohlen.
Doch prägt mich seit langem im Herzen das Leid.
Fahr wohl nun, du Ringe. Der wurde genommen.
Leb‘ wohl nun, du Junge. Der ruht nun im Schein.
So hab‘ ich die Tränen und Zähren vernommen.
So wird doch der Junge. Wohl nimmer mein sein.“
So hört man bis heute. Das Schluchzen in Fluten.
So weh‘ dem, dem Sucher. Der sieht sie und greint.
So weint sie, als würde ihr Herz auch verbluten.
Denn ist es die Nixe. – Die Gude. – Die weint.
Verlor‘ sich der Weg auch in mitten der Wälder.
Und lief durch diese. – Die weiße Gestalt.
Und trieb sie und trieb sie inmitten der Felder.
Und lief sie zur Kirche. Die ruhte im Wald.
Denn musste der Kirche zwei Decken sie spenden.
So hat sie mit Händen die Tücher umgarnt.
Verstarb sie und wollt‘ man ihr Treiben beenden.
So hat sie den Diener des Bischoffs gewarnt.
„Ich strickte die Tücher nach meinem Vermessen.
Sodass ich dann diese mit Gold auch beschlug.
Und hab‘ ich bis heute den Eid nicht vergessen.
So nahm ich die Decken. Zur Kiste ich trug.
So scheint nun die Truhe die Leinen bewahren.
Die schuf‘ ich für Menschen. Für jenen Altar.
Ich treib‘ nun und weile seit tausend von Jahren.
Und bleib‘ ich auf Erden. Bis liegen sie da.“
So brachte man schließlich die Decken zur Stätte.
Sodass auch das Weilen der Toten verschwand.
Erzählte der Kater, der schlich um die Kette.
So sieht man bis heute sie gar nicht im Land.
Nicht weit doch vom Orte. Dort ragte die Mühle.
Und fraßen die Ratten das Weizen und Korn.
So kam dann im Abend ein Mann ins Gestühle.
Und hegte den Nagern im Herzen den Zorn.
Versteckte er schließlich wohl etwas im Heue.
Bis heute weiß niemand. Was ließ er nun dort.
Doch rannten am Morgen die Ratten in Scheue.
Sie liefen zur Finow. Und schwammen dann fort.
Verschliefen die Länder. Die Flüsse, sie trieben.
Und brachten sie schließlich der Stadt ihre Nacht.
Ich werde für immer. Die Orte hier lieben.
Denn haben mich diese. Zum Dichter gemacht.
Es schien auch, als lägen. Recht müde die Träume.
Der Wind riss die Blätter. Die hingen geneigt.
Umschlossen die Blüten der Sterne die Bäume.
Die Stadt hat mir Leben im Leben gezeigt.
Ich will hier bloß bleiben. Ich denke. Entgegen.
Es ist schon wie Frieden. Wenn lauf‘ ich entlang.
Ich möchte hier bleiben. Hier weilen und hegen.
Und bleibt auch das Werke. Ein Sinnbild als Dank.
27.03.2025
Eberswalde und Berlin
© Marc Donis
Die Mythen der Sorben
Nach einem Lübbenau-Aufenthalt
Für Ronja. Die erste Fassung
Und rühren mich Sorben. Und Dörfer und Leben.
Und hab‘ ich hier Mädchen. Seit Jahren gekannt.
Nun schätz‘ ich Geschichten. Durch diese soeben.
Denn hörte ich Sagen im Spreewälder Land.
Es gibt hier wohl Götter. Die scheinbar uns führen.
Regieren und bilden sie schließlich den Bund.
Wer mag schon die Wesen der Fabel auch spüren?
Gesegnet in Wäldern. Im Herzen doch wund.
Und während die Spree auch im Lichte so glänzte.
Dort hingen im Sturme die Weiden geneigt.
Sodass mich das Treiben der Flüsse bekränzte.
Da hat sich Perun auch. – Im Donner gezeigt.
Erschien er im Sturm auch im Kriege zu wüten.
So rauschten im Frühling die Blätter. Das Laub.
Verneigten aus Ehrfurcht vorm Krieger die Blüten.
Entstand nun doch Veles aus Erde und Staub.
Erblickte der Herrscher der Wässer bloß wieder.
Wo spiegelt der Wald sich im Treiben vom Fluss.
Und während er schaute und suchten den Flieder.
So gab‘ er Mokuscha, der Mutter. – Den Kuss.
Beschützt sie seit Jahren. Das Spinnen. Das Weben.
Sodass sie als Mädchen Morena gebar.
Auch, wenn schon Rusalken die Flüsse beleben.
Vergisst man, wer Mokosch bei Zeiten noch war.
Gebar sie Morena. – Als Sinnbild und Zeichen.
Die Göttin des Frühlings entstieg nun der Gischt.
Begann sie durch Äcker und Wälder zu schleichen.
Sodass sie den Anfang mit Sterben vermischt.
Man kannte und schätze das Mädchen, die Schöne.
Denn hat sie den Bürgen die Blumen gebracht.
So glich sie für viele. Als Schönheit. Kamöne.
Denn hat sie noch niemals aus Unrecht gelacht.
Vereint sie das Leben – Mit Winter. Dem Sterben.
Und bringt sie seit Jahren den Menschen die Nacht.
Doch während die Weizen und Gersten sich färben.
So hat sie das Sterben des Bruders bedacht.
Denn wollte Jarilo sie scheinbar betrügen.
Entflog sie beim Töten des Bruders als Gauch.
Sie musste der Strafe sich jedoch dann fügen.
Verstarb‘ halt das Schöne. Durch Verrat so auch.
Zerfraß sie das Neiden der Kummer im Schatten.
Verdorrte das Mädchen zur alten Gestalt.
Verlor‘ sie die Schönheit und jedoch den Gatten.
Verbrennt man die Strohpupp‘. Deswegen im Wald.
Wer weiß schon, wie viele Geschichten hier klangen.
Selbst eine die Seele der Menschen erhält.
Behütet sein Reichtum der König der Schlangen.
Wohl irgendwo anders. – Inmitten der Welt.
So lagen die Schätze und Güter auf Lichten.
Und stahl er die Krone. Behände der Graf.
Und niemand erkennt auch die vielen Geschichten.
Als stahl er das Golde vom König im Schlaf.
Gewährte ihm Dazhbog den Wohlstand in Güte.
Der Schöpfer der Sonne. Der Hüter vom Licht.
Verbleibt es, ich denke. Wohl einfach der Mythe.
Doch Schönheit der Sage. Die Zweifel zerbricht.
Die Dichtung der Sorben. Scheint meiner gewähren.
Sodass auch mein Herze den Sprüchen entsagt.
Und sollte man Stribog als Gottheit verehren.
Dann bringt er die Winde. Und Stürme und klagt.
Und während wir alle. Dem Spruche entsagen.
Erschuf nun die Schöpfung am Ende der Rod.
Ihn mochte ein Ei wohl aus Golde bloß tragen.
Erschuf‘ er die Welten und Erden aus Not.
Bemerkte er später. Grundsätzlich ein Klagen.
Erschuf‘ er dann Lada. Die brachte die Lieb‘.
Entrann er, das schienen die Mädchen zu sagen.
Sodass er den Erden wohl nimmer verblieb.
Verlief‘ sich auch Lada inmitten der Welten.
Sie schenkte den Menschen die Liebe allein.
Und mochte sie jedoch als Zauberin gelten.
Sie trug sie auch Schönheit. Am Ende ins Sein.
Und Svarog empfing sie. Als müdes Gerippe.
Entstieg er der Höhle. Recht borstig der Schmied.
Entfloh ihm die Klage. Und senkte die Lippe.
„Gegrüßt sei, du Lada. Das Schönste dich zieht.“
Erhob sich Jarilo auch scheinbar von Toten.
Und zogen die Pferde sein weißes Gespann.
Und hat er die Ernte den Menschen geboten.
So flog er durch Himmel. Und zog er die Bahn.
Genoss er im Frühjahr. Die Tänze und Feste.
Sein Kopfe, er trug wohl aus Reben den Kranz.
So nahm er dem Winter. Vom Froste die Reste.
Und säte und säte. Den Frühling im Glanz.
Mal läuft auch die Hexe inmitten von Mooren.
Umgreift sie den Menschen. Der Augen verbürgt.
Und während die Menschen die Felder so schoren.
Dann kommt sie gen Mittag und einen erwürgt.
Und irgendwo lauert im Dickicht der Scharte.
Begleitet vom König der Wenden, der schleicht.
Durchwandert der Sucher die Pfade trotz Karte.
Bis schließlich die Lutki der Fremde erreicht.
Und rühren mich Sorben. Und Dörfer und Leben.
Und hab‘ ich hier Mädchen. Seit Jahren gekannt.
Nun schätz‘ ich Geschichten. Durch diese soeben.
Denn hörte ich Sagen recht viele im Land.
Es treiben die Moore, das Irrlicht. Und Sümpfe.
Bewahren und bilden sie schließlich das Band.
Und liegt dort am Steine im Flusse die Nymphe?
Daneben der Teufel. Der schuf doch das Land?
Besagt doch die Sage. Dass schuf er Kanäle.
Aus Zorne mit Fingern. – Die Fließe er zog.
Beschreib‘ ich die Sagen mit Zeilen und Seele.
Damit doch das Wunder der Sümpfe nicht flog.
So rühren mich Sorben. Und Dörfer und Lärchen.
Ich glaube, ich komme im Sommer. Schon bald.
Mich rühren die Sagen. Die Mythen und Märchen.
Die leben für immer im Spreewälder Wald.
Erzählten mir Mädchen von diesen vor Tagen.
Sodass ich die Hälfte von diesen beschrieb‘.
Im Herzen, da rührt sich. Ich denke das Sagen.
Mein Herze germanisch. Die Augen sind slawisch.
So sag‘ ich zum Abschied: Ich hab‘ euch auch lieb.
26.03.2025
Lübbenau / Spreewald und Berlin
© Marc Donis
Im Grunde der AfD
Akt 1. Die Vorgeschichte.
Die Welt verneigt sich. Und will grüßen.
Und scheint die Erde wie erstarrt.
Und liegt der Sommer schier zu Füßen.
Und wird das Schönste auch bewahrt.
Wie neigt die Sonne sich zum Grunde.
Und immer kleiner wird der Kreis.
Versinkt mit ihr vielleicht die Stunde.
Und färbt die Länder rötlich-weiß.
Die Nacht, sie trägt. Gewiss die Sterne.
Und stirbt vielleicht der Tag erneut.
Wie blüht der Tag der Nacht in Ferne.
Er lebt und blüht. Und nichts bereut.
Wie riecht die Welt nach feinen Nelken.
Nach Erde auch. Citrus. Zur Nacht.
Doch irgendwie, erscheint’s zu welken.
Welch‘ Anmut wurd‘ dem Mensch erdacht.
Wie bleibt der Abend recht belassen.
Lavendel zieht den feinsten Duft.
Auch scheint die Spree in sich verblassen.
Umhüllt, umkränzt so sehr die Luft.
Wie wird die Schönheit hier bemessen.
Sodass die Welt dem Mensch vergibt.
Und weht der Wind durch die Zypressen.
Und scheint die Nacht so sehr verliebt.
Selbst, wenn die Ruh‘ hier nur bestände.
So blendet auch der Mond im Sein.
Die Himmel legt die Farb‘ in Hände.
Und wiegt damit die Landschaft ein.
Selbst, wenn die Ruh‘ hier nur ermattet.
So blendet auch der Stern den Schein.
Auch wenn die Welt die Welt beschattet.
So glänzt der Mond wie Elfenbein.
Wie hängt das Lichte noch im Osten.
Und färbt den Himmel leicht Burgund.
Wie scheint Karmin. Das Rot will kosten.
Wie es umarmt, die späte Stund.
Der Himmel starrt. Und will bloß nieder.
Wie Jade glänzt der Wald und Hain.
Der Himmel tauscht das Nachtgefieder.
Und lässt die Welt in sich allein.
Erscheint der Welt. Als wär‘ es Schiefer.
Als ständ‘ der Winter wohl bevor.
Wie Flieder strahlt, das Rot noch tiefer.
Bevor das Licht die Macht verlor.
Der Himmel bleibt vielleicht wie Tinte.
Es wird noch bleuer. Blau. Cyan.
Das Blau, das gleicht der Hyazinthe.
Als wär‘ es Fluss. Und sie der Kahn.
Als würd‘ das Bleu recht sanfte fließen.
So lieblich sanft auf dieser Spree.
Selbst, wenn die Farben es verstießen.
Ummalt das Licht als wär‘ das Schnee.
Als fällt zum Grund vielleicht die Träne.
Vielleicht ist das, was uns verband.
Das Blau, es gleicht der ein Jänzene.
Das nun befällt und treibt durchs Land.
Das Blau vertieft sich wie ein Quarze.
Und immer dunkler wird der Schein.
So weicht das Blau ins jene Schwarze.
Verschlingt die Welt vielleicht allein.
Wie glänzt die Erde immer träger.
Wie im Kristall verschläft, der Tau.
Oh wehe dir, du werter Kläger.
Doch kennt der Wind den Hain genau.
Und streicht der Winde einen Garten.
Darin das Laub. Er spielt und säumt.
Als wär‘ er Kind und mochte warten.
Dass er vom Wachsen scheinbar träumt.
Als wär‘ er Kind. Und will doch spielen.
Als liebt er Leben ziemlich sehr.
Da ihm noch nie die Tränen fielen.
So scheint der Strauch sein Kuschelbär.
Auch weht der Wind durch eine Linde.
Und greift nach Blätter, die er reißt.
Selbst, wenn ein Treffen ihn empfinde.
Weiß er, was Liebe scheinbar heißt.
Er hört die Stimmen draußen klingen.
Am Tische spielt gewiss ein Fest.
Wie will er bloß das Schöne bringen.
So fährt er lieblich ins Geäst.
Und scheinen alle dann zu lauschen.
Sie lachen auf. Dann fließt der Wein.
Noch weiter scheint er dann zu rauschen.
So glänzt die Flur durchs Mondgestein.
Wie hallt das Lied durch die Zikaden.
Girlanden leuchten durch die Nacht.
Wie schwingt der Winde diesen Faden.
Welch‘ Engel hier den Ort bewacht.
Und spricht der Vater mit der Liebe.
Als er sich doch vom Stuhl erhebt:
„Es ist das Glück, das uns verbliebe.
Auf das, dass unsre Tochter lebt!
Auf das, sie kommt zu uns nach Hause.
Die Krankheit hat uns sehr geprägt.
Das Glück, das machte auch die Pause.
Hat sie zurück ins Herz gelegt.
Auf das sie lebt, die süße Schöne!“
Durchringt den Garten dieser Spruch.
Wie malt das Fest gar das Getöne.
Und zieht vom Feuer ein Geruch.
Das Feuer gibt gewiss die Wärme.
Die Nähe. Lieblich. Und erbarmt.
Als wär‘ vorbei, die bloße Härme.
Sodass das Glück das Fest umarmt.
Die Mutter blickt. Den Blick gewendet.
Und seufzt verlegen. Wie erstarrt.
„Ich bin nicht sicher, dass es endet.
Dass sie das Leiden nicht bewahrt.
Ich frage mich. Seit Tag und Wochen.
Ob sie für immer kommt nach Haus.
Ich fürchte mich. Mich hat’s gebrochen.
Ich glaub‘, ich halt das nicht mehr aus.
Ich misse sie. Mein Engel – Meine.
Sie ist mein alles. Hab und Gut.
Sie ist mein Sinnbild. Meine Kleine.
Ich habe Angst, dass sie bald ruht.
Ich habe Angst, dass kommt es wieder.
Dass sie erneut daran erkrankt.
Dass sie dann magert und wird bieder.
Weil das das Leben so verlangt.
Ich glaub‘, mein Herze bleibt entrissen.
Es bleibt gestohlen. Scheinbar gar.
Ich werde warten. Und sie missen.
Es wird nie damals. Wie es war.“
Der Vater lächelt. Nickt mit Trüben.
Und atmet tief. Und atmet aus.
„Das Leiden wird hier nichts verüben.
Sie ist bald sicher. Wohl zu Haus.
Sie wurde heut‘ um zwölf entlassen.
Und ist mit Freunden in der Stadt.
Ihr Leiden scheint so sehr verblassen.
Da, weil sie beste Mädchen hat.
Ich finde dieses Treffen richtig.
Da sie allein und einsam war.
Und finde ich das Treffen wichtig.
Damit nicht bleibt sie insular.
Ich kann‘s verstehen. Und es auch schätzen.
Dass sie die Freunde misst und braucht.
Deswegen wird sie nichts verletzen.
Da Freundschaft sie in Schutze taucht.
Ich find‘ es schön. Gewiss zur Runde.
Dass sie Kontakt, ihn hält und pflegt.
Es ist halt wichtig in der Stunde.
Dass sie sie sieht und Freunde hegt.“
Der Vater lächelt. Macht die Pause.
Und nimmt die Mutter lieb in Arm.
„Es geht ihr gut. Sie kommt nach Hause.“
So nickt die Mutter ziemlich warm.
Es rührt die Frau so sehr zu Tränen.
Und rollt dann eine recht gelöst.
Erleichtert scheint sie dann zu wähnen.
Dass Freundschaft doch das Leid verstößt.
„Du hast doch recht, mein liebster Bruder.
Was sie jetzt braucht, ist wohl ein Halt.
Sie sind das Schiff. Und sie das Ruder.
Wir geben Kraft, damit sie strahlt.
Wir werden kämpfen. Und sie halten.
Wir geben ihr die Kraft. Das Licht.
Wir werden sie gewiss nicht spalten.
Denn was sie braucht, ist Zuversicht.
Sie braucht die Freunde. Und uns alle.
Sie braucht uns wirklich. In der Zeit.
Wir fangen sie, wenn kommt der Falle.
Wenn ist sie wieder todgeweiht.
Sie braucht den Frieden, den wir stützen.
Sie braucht den Glauben wohl an sich.
Und wird es wahrlich ihr nichts nützen.
Wenn lassen wir sie bloß in Stich.
Wir sind Familie. Was ich schwöre.
Wir sind zusammen und der Halt.
Ich hoff‘, das Gute sie betöre.
Ich hoff‘, sie lebt erneut und bald.
Ich hoff‘, dass Gute bloß verbliebe.
Wir sind die Säulen wohl und die.
Die Wörter sind der Grund der Liebe.
Auf Aaliyah – Wohl auf sie!
Wie kann der Halte auch verweilen.
Und denke ich, es geht ihr gut.
Fast alles kann die Freundschaft heilen.
Was sie bloß braucht, ist Glück und Mut.
Was auch braucht, ist dieses Lichte.
Und schützt es dann, ich weiß auch wie.
Ihr Körper zeugt von der Geschichte.
Wie sie kurz starb. Und jetzt lebt sie.“
Darauf erklirren nun die Gläser.
Und fließt der Wein aus dem Gefäß.
Und küsst der Wind erneut die Gräser.
Und legt sie schlafen auch gemäß.
Wie scheint das Lachen nur zu schallen.
Und heitert es. Wie gleicht der Rest.
Die Freude kann hier einfach hallen.
Wie lebt im Menschen dieses Fest.
Auch steht die Altstadt in den Farben.
Girlanden leuchten. Blau – Türkis.
Am Brunnen stehen Heu und Garben.
Wie gleicht die Stadt dem Paradis.
Wie stehen Pferde, die bald reiten.
Da schwingt der Spieler lieb den Ton.
Auch zeugt das Fest von Mittelzeiten.
Wie hörbar schlägt die Glocke schon.
Wie stehen Blumen recht gebunden.
Und Ähren schmücken das Gebiet.
Die Leier spielt seit dutzend Runden.
Die Harfe auch. Sie klingt und zieht.
Wie schwingt der Singer seine Laute.
Und spielt der Andre Monochord.
Er setzt nun an. Weil er vertraute.
Verlässt sein Mund das erste Wort.
„Ach, wehe dem, du holde Dirne.
Die Minne ist nur dir geweiht.
Dein Augenlicht wie ein Gestirne.
Bezieht die Flur. Bezieht die Zeit.
Ich geb‘ dir, Schöne. Dank zuwider.
Du bleibst das Mädchen, mir so hold.
Du mich verstößt. Ich lieb‘ dich wieder.
Wie ich verschmäh‘ das Glitzergold.
Und rein gar nichts will mich trösten.
Nur mein Mädchen. Magst du sein?
Sonst wird mein Peine wohl am größten.
Wie fühl‘ ich mich gewiss allein.
Du holdes Mädchen. Werte Wonne.
So leise schleichet mir der Dank.
Du holdes Mädchen. Gleich der Sonne.
Ich bin so wahr auch liebeskrank.
Ach, wehe dem, du holde Dirne.
Und wirst du doch auf Zeiten mein.
Die Augen doch, wie ein Gestirne.
Du wirst auf ewig meine sein.
Ich bin vielleicht ein Narr und Singer.
Doch hab‘ ich mich in dich verliebt.
Ich mach wohl nur dein Leid geringer.
Da es die Liebe schwer nicht gibt.
Ich geb‘ dir, Schöne. Dank zuwider.
Du bleibst das Mädchen, mir so hold.
Du mich verstößt. Ich lieb‘ dich wieder.
Wie ich verschmäh‘ das Glitzergold.
Und rein gar nichts, mag ich brauchen.
Nur dein Leibe. Stimm‘ und Sinn.
Und ich werd‘ dir immer hauchen.
Dass ich bloß dein Herze bin.“
Wie auch verklang vielleicht das Minnen.
Durchtränkt die Altstadt ein Applaus.
Und wirft ein Fräulein dann ein Linnen.
So weicht der Sänger ihr bloß aus.
Er trägt ein Hemd. Gewebt aus Leinen.
Die Ärmel sind auch hochgerollt.
Die Stiefel sind, man kann’s so meinen.
Aus Eberhaut und feinstem Gold.
Die Augen glänzen wie in Farben.
Wie bräunlich schimmert auch der Bart.
In dem Gesicht, gemalte Narben.
Wie hat der Mann sein Herz gewahrt.
So spricht die Frau. Gewiss im Bande.
Wie strahlt so grün, das ihr Sorket.
Darüber trägt sie ein Gewande.
Im Korbe hängt ein Blumbukett.
Sie trägt am Kopfe ein Gebende.
So perlenweiß, das scheinbar glimmt.
Sie nimmt den Strauße in die Hände.
Sodass der Mann ihr Wort vernimmt.
Der Mann, er schwinget seine Zister.
Sodass die Frau dann lieblich singt.
Und klingt das Wort wie ein Philister.
Da scheinbar doch sein Herz zerspringt.
„Mein Werter. Hast du mich besungen.
Es war zwar hold. Ich weiß. Gewiss.
Doch hat mein Herz es nicht bedrungen.
Sodass die Liebe ich auch miss‘.
Es scheint gewiss an dir gelegen.
Mein Werter. Wirklich und genau.
Ich will mein Herz dir nicht bewegen.
Verdienst du mich nicht wohl als Frau.
Ich weiß und schätze deine Mühen.
Doch ein Bemühen reicht nicht aus.
Ein Edelmann, er kam im Frühen.
Und wies und riss mein Herze raus.
Mein Guter. Bin ich wohl vergeben.
Und weiße ich dich ewig fort.
So nimm‘ dir doch vielleicht das Leben.
Dann triffst du mich. Am andren Ort.“
„Du Holde. Werd‘ ich das versuchen.
Wenn scheint die Lage wirklich solch‘.
Ich glaub‘, ich werde dich verfluchen.
Und nur den Fluch entreißt mein Dolch.“
So hat der Mann das Wort gesprochen.
Und zückt das Messer schnell mit List.
„Das ist dafür. Du hast gebrochen.
Mein armes Herze, das du nicht bist.“
Er geht zu ihr. Im Grund verholen.
Und rammt die Klinge in die Brust.
„Das ist dafür, du hast gestohlen.
Du stahlst mein Herze. So bewusst.“
„Du bist ein Narr. Das ist vollkommen.
Du bist verloren. Schwer durch dich.
Der Henker rädert dich benommen.
Du bleibst verloren. So wie ich.“
Vorbei ist wohl, gar dies‘ Gesänge.
Und schwelgt die Menge im Applaus.
Wie tobt und ruft die ganze Menge.
Und lebt die Stadt in dem Gebraus.
Nicht weit vom Markte steht ein Stande.
Auch dort, da fehlt gewiss die Trist.
Verzaubert er vielleicht das Lande.
Denn steht dort nur ein Alchimist.
Wie reibt er Pulver und die Proben.
Und wirft sie dann ins Feuer rein.
Beginnt die Flamme grün zu toben.
Dann lässt er Feuer, Feuer sein.
Zerteilt er dann, erneut ein Mittel.
Die Flamme brennt im Grunde bleu.
Vermengt und wirft er still ein Drittel.
Darauf entflammt das Feuer treu.
Das Feuer wird dann rot auch später.
Dann lieblich gelb. Und dann magent‘.
Dann wird es blau. Als wär’s ein Äther.
Bis dann das Pulver schlicht verbrennt.
Dann greift er still und recht behände.
Nach einem Pulver. Das grau scheint.
Er gibt das Pulver sich auf Hände.
Damit mit Feuer sich’s vereint.
So wirft den Stoff er in den Brande.
Durchzieht ein Knistern diese Welt.
Bezieht ein Funken auch den Stande.
Da dieses Pulver schnell zerfällt.
So wird das Grellen immer weißer.
Sodass das Pulver scheinbar sprüht.
Das Feuer wird inzwischen heißer.
Bis dieser Staub im Brand verglüht.
Den Kolben stellt er scheinbar nieder.
Und zündet oben Dämpfe an.
Dann leuchtet es. Erneut. Schon wieder.
So lächelt schlicht der alte Mann.
So lachen auch vielleicht die Kinder.
Er tritt hervor. Und macht’s erneut.
Ein Bellen zieht aus dem Zylinder.
Sodass die Flamme wieder bläut.
Befüllt den Kolben er recht rasche.
Ein Feuerball. Er kommt und schwellt.
Zerfällt der Schwefel hier zu Asche.
Bevor der Kolben wieder bellt.
Er stellt den Kolben dann zur Seite.
Und nimmt die Schale zum Versuch.
Besprüht den Zucker. Geht zur Seite.
Vollzieht ein Wunder diesen Fluch.
Es scheint, als würde es zu kriechen.
Es gleicht der Schlange, die entsteht.
Sie wächst und will gewiss versiechen.
Da selbst bei ihr die Zeit vergeht.
Er tropft erneut. Vielleicht entsprungen.
Sie wächst erneut. Und zieht und wächst.
Wie ist das Dampfen auch verklungen.
Es scheint, als wär‘ das Werk verhext.
So liegt und ragt im Glas die Kohle.
Die dampft und glüht. Bis sie zerfällt.
Er stellt die Schüssel auf Konsole.
Und taucht die Hand hinein und hält.
Er zieht sie raus. Mit jenem Schaume.
Bedeckt die Haut damit recht schnell.
Er zündet’s an. Als wär’s ein Traume.
So brennt der Schaume ziemlich hell.
Er hält die Hand mit diesen Blasen.
Das Feuer speit und rennt und flieht.
Die Meute blickt. Vergisst die Phrasen.
Sie schaut recht hin. Und staunt und sieht.
Der Mann, er wirft den Schaume nieder.
Und sagt recht nett. Vielleicht gereiht.
„Das war’s, ihr Lieben. Kommet wieder.
Wenn schlägt es Mitternacht, die Zeit.“
So stehen nicht weit ganz andre Stände.
Ein Händler schreit und schreit erpicht.
„Ich hab‘ das besten Krautgebände.
So kommt und fürchtet euch doch nicht!
Ich hab‘ Gewürze. Wein und Nüsse.
Anis und Curry hab‘ ich auch.
So greift ihr zu. Für die Genüsse.
Und Myrthen hab‘ ich schließlich auch.“
So ruft ein Händler auch daneben.
„Ich habe Seifen. Kerzen. Wachs.
So kauft euch Seifen für das Leben!
Und auch noch Beutel aus dem Flachs.
Ich kenn‘ die Kunst, das Seifensieden.
Ich mach‘ Parfüm. Gar diese Tracht.
Selbst jeder Kunde war zu frieden.
Und jedes Öl ist handgemacht.
Ich mach‘ die Öle selbst mit Händen.
Ich ernt‘ Lavendel. Citrus. Zimt.
Die feinsten Noten, die vollenden.
Man spürt die Güte sehr bestimmt.
So kommt und kauft auf werte Weise.
Genießt die Rosen. Harz. Und Blatt.
Beginnt und atmet es so leise.
Denn macht das Atmen niemals satt.
So kommt und kauft auf werte Weise.
Damit die Liebe euch auch schwingt.
Beginnt und atmet diese Reise.
Damit der Hauch das Ich durchdringt.
Ihr findet das, was ihr lang wolltet.
Ihr findet das, was euch auch reiht.
Und wenn ihr das so kaufen solltet.
Dann findet ihr, was ihr auch seid...“
Nicht weit davon ragt ein Gemäuer.
Vergessen hat es auch die Zeit.
Drei Mädchen sitzen dort nun heuer.
Wie schätzen sie die Einsamkeit.
Es scheint, als wär‘ das Glück entzogen.
Es gibt nur die Kälte, die hier spricht.
Die Flieder wachsen hier im Bogen.
Doch fürchten sich die Mädchen nicht.
Das Dach hängt still. Und will zerbersten.
Der Putz, er bricht. Und hält es kaum.
So hängt der Balken auch am schwersten.
Es hält ihn nichts, in diesem Raum.
Der Boden scheint und ist am Wittern.
Wie hat der Regen Stein geschleift.
Da selbst die Bäume hier auch zittern.
Sodass kein Wunder hier mehr reift.
Wie alles samt, erscheint zu sterben.
Als wär’s ein müder Riese – Dort.
Verstirbt das Haus an diesen Scherben.
Die liegen nur an diesem Ort.
Die Fenster wurden schier zerschlagen.
Die Trist befällt als wär‘ sie Gast.
Selbst keiner würde sich auch wagen.
Zu sein im Hause. Für die Rast.
So sitzen sie auf dem Balkone.
Der Kocher brannte eben still.
Der Winde neigt die Baum und Krone.
Sodass er auch verzaubern will.
Die Freundin spricht so sehr gelassen.
„Es ist so schön. Du bist nun da.
Ich kann das wirklich wohl nicht fassen.
Dass ich dich endlich wieder sah.“
„Ich kann das selbst gewiss nicht fassen.
Ich hab‘ vergessen, wie man lebt.
Es ist so schön, ich wurd‘ entlassen.
Auch wenn Bedrückung mich bestrebt.
Ich weiß, es gleicht gewiss dem Siege.
Versetzt man Berge, wenn man glaubt.
Ich fühl‘ mich frei, als ob ich fliege.
Und wurd‘ ich doch dem Sein beraubt.
Ich weiß, die Freiheit wurd‘ genommen.
Und war das doch, ich denke, wert.
Ich hab‘ ein Leben – Neu – Bekommen.
Denn hab‘ das Alte ich entbehrt.
Ich kann erneut und endlich essen.
Und hungern muss ich nicht im Fall.
Ich will, was war, ich denk‘, vergessen.
Verflucht seist du! – Das Ideal.
Vergaß ich schlicht als Ich zu leben.
Ich lebte so, wie man mir riet.
Ich hab‘ gehasst und hab’s vergeben.
Und wollt‘ ich dann den Suizid.
Ich war’s so leid. So schlicht und leise.
Ich hab’s bereut, dass ich so streb‘.
Und immer enger wurd‘ mein Kreise.
Ich fragte mich, wozu ich leb‘.
Ich hatt‘ kein Grunde mehr zu leben.
Zum Lieben auch. Es war verbraucht.
Ich wollt‘ doch nur, mein Glück erheben.
Doch war‘ ich sehr im Leid gehaucht…
Ich wollte im Leben, ich denke, nur leben.
Doch keiner mir zeigte, wie leben so geht.
So wollte mich weiter das Leide verweben.
Da keiner mein Leben im Leben versteht.
Ich war eine Fremde in Erden und Welten.
So hat mich das Fremde im Grunde gebaut.
Im Leben, da gibt es, das Schöne so selten.
So hab‘ ich. Ich leider dem Sterben vertraut.
Er war mir vertraut und gütig. Die Schwester.
Die liebte mich innig. Und küsste mich zart.
Und wenn ich auch weinte, umarmte sie fester.
Und lachte sie niemals, als ich das so tat.“
So reden und reden die Mädchen auch weiter.
Und essen und teilen den Wein sich zu dritt.
So wird das Gespräch im Laufe recht heiter.
Bekommen die drei vom Dach etwas mit.
Durchbricht nun die Stille die eiserne Glocke.
Sodass nun der Himmel im Leuchten versinkt.
Erheben die Mädchen sich aus ihriger Hocke.
Und schauen gen Himmel, wie Feuer es dringt.
So schweben und knallen die ganzen Raketen.
Der Himmel erstrahlt in Röte und Glanz.
Die Bleue und Grüne im Fluge verdrehten.
So liegt nun der Spreewald im lebenden Tanz.
Die Mädchen, sie schauen und laufen in Träge.
Sie laufen dann runter. Hinunter zur Markt.
Es rührt ihre Herzen. Das Schöne bewege.
Denn hat sie das Feste im Grunde erstarkt.
Zeitgleich, da stehen drei Männer am Hause.
Blicken sich um. Und gehen ins Lokal.
Hört man von draußen gewiss ein Applause.
Stehen nun die Dreie im Gasthaus im Saal.
Hört man die Dreie leicht reden und duzen.
Passt die Erscheinung so recht nicht ins Bild.
Tragen sie schwarz. Gehüllt in Kapuzen.
Leuchten die Augen. Bestialisch und wild.
Gleicht diese Schwärze im Grunde dem Ruße.
Flüstert ein Manne dem Freund was ins Ohr.
Hebt dieser rasch sein Arme zum Gruße.
Und schreien die Männer die Laute im Chor.
„Ich würde mich schämen. Ihr werten Genossen.
Starb‘ doch auch Hitler am Ende mit Stolz.
Hat nicht umsonst sein Blut er vergossen.
Sind wir geschnitzt aus Eiche, dem Holz.
Lang lebe Hitler! Heil Hitler dem Lande!“
Schreien die Männer im vollen Gebraus.
„Zieht der Islam gar Deutschland in Schande.
Treiben die Viecher wir lieblich dann aus!“
Stürmt nun ein Kellner sofort zu den Dreien.
„Geht nun sofort!“ Erhebt er sein Wort.
„Ist das die Schande, Parolen zu schreien.
Geht und verschwindet. Und meidet den Ort!“
Gibt nun der Kellner dem Mann einen Schlage.
Brüllt dieser plötzlich. Belebt und auch schwört.
„Kommt meine Rache. Ich schwöre zu Tage!“
Schreit und beschimpft der Kellner empört.
Wirft er die Dreie geschwind aus dem Saale.
Schließt er die Türe im Zorn auch sofort.
Ruhig erstarrt. Entsetzt scheint die Halle.
Geht und verfliegt der Schrecken nun dort.
Schauen die Männer erbost in das Fenster.
Einer, er schaut, der scheinbar fast glüht.
Bleichen die Gäste, als sehen die Gespenster.
Wie dieser Manne das Fenster besprüht.
Zieht er behände und rasch seine Farben.
Schreibt er aufs Glas ein Worte, so rot.
Viele die lachten, sofort wie verstarben.
Bringt diese Phrase am Ende den Tod.
Rennen die Männer danach in den Süden.
Sprühten sie „Zecke“ gewiss auf das Glas.
Scheinen die Bäume bereits zu ermüden.
Zeugt diese Geste vom Kummer und Hass.
Weitere Stunden. Sie scheinen zu fliegen.
Steht nun die Wirtschaft geschlossen. Allein.
Kommen die Männer erneut mit Intrigen.
Und lassen den Hasse den Hasse auch sein.
Der Eine zerschlägt aus Wut diese Scheibe.
Der Andere somit ins Zimmer gelangt.
Sie kippen Benzin auf Boden der Bleibe.
Der Ältere zündet das Feuer und schwankt.
Die Zweie, sie lächeln und fliehen und rennen.
Und lassen den Andren im Grunde in Stich.
Der Andre sieht das Haus verbrennen.
Er schaut sich dann um. Das Unheil beschlich.
Die ziehenden Flammen verbrennen die Spuren.
Und größer und größer erscheint dieser Ball.
Verbrennen im Feuer die Holzarmaturen.
Wie lodert und schwillt das Meere so prall.
Die Mädchen, sie kommen und sehen die Straße.
Sie schlendern und sehen, das Hause, das brennt.
Er wirbelt dann um. Und schaut dann mit Hasse.
Wobei er zwei Mädchen von den nicht erkennt.
Sie standen im Schatten. Aaliyah im Lichte.
Worauf dann der Manne sofortig auch flieht.
Er merkte sich wirklich Aaliyahs Gesichte.
Und wusste er wirklich, dass sie ihn auch sieht.
„Ich denke, ich gehe jetzt besser nach Hause.“
Sagt nun Aaliyah. Sie spürt frische Angst.
Die Freundin durchbricht die peinliche Pause.
„Ist das die Art, wie du mir wohl dankst?
Sagt dann die Dritte. „Es wäre recht besser.
Ist es auch spät. So schaut auf die Zeit.“
Wird diese Freundin beim Reden so blässer.
„Ist es zu ihr, ich schwör‘ nicht mehr weit.“
„Warum nach Hause? Wir könnten noch bleiben.“
„Wirst du, das Liebe, ich denk‘ nicht verstehen.“
„Könnten wir wirklich die Zeit noch vertreiben…“
Sagt dann Aaliyah: „Er hat mich gesehen.“
22.10.2024 – 26.10.2024
Berlin Biesdorf-Süd
© Marc Donis
Die Gärten von Sachsen
- I -
Die Erde hält die Pracht verborgen.
Ich glaub‘, es gibt das Schöne nicht.
Der Nebel hängt im lichten Morgen.
Und küsst der Winde mein Gesicht.
Wie hält die Stunde mir wohl inne?
Was sagt der Schatten mir zumal?
Dass ich verlaufen bin und sinne?
Wer hört mir zu, wenn ich verfall‘?
Wenn ich verfallen bin dem Regen.
Der Nacht, dem Abend, im Gekleid.
Der Herbste treibt mich mittels Wegen.
Im Himmel wiegt bereits die Zeit.
Und scheint das Lande mir durchfroren.
Der Tau vermittelt Gruß zum Wort.
Im Äther schwinden die Auroren.
Durch Nacht, da treiben diese fort.
Ich wehe dir und mag’s vergeben.
Entrinn‘ mir alles. Ruht das Beet.
So nimmt der Herbste mir das Leben.
Und doch erscheint mir das zu spät.
Und alles gleicht dem Herzgetrennten.
Auch wenn das Glücke mich ertränkt.
Samt Leiden, Kummer – Elementen.
Was mich so wahrlich still verdrängt.
Die Erde hält die Pracht verborgen.
Es gibt auf Welten Schönheit nicht.
Und mittels größten, letzten Sorgen.
So küsst der Winde mein Gesicht.
- II -
Und steht am Wege ein Gebilde.
Es gleicht der alten Gärtnerei.
Es scheint verfallen mit der Milde.
Und legt es doch die Pflanzen frei.
So wachsen diese auf den Stützen.
Der Roste perlt sich von dem Stahl.
Dem Efeu scheint das nur zu nützen.
Umschlingt er eisig das Metall.
Wie verbissen sind die Ranken.
Die ihn halten, was beschlägt.
Wie die Blätter lieblich schwanken.
Da der Wind sie seichte trägt.
Liegt das Laube auf den Fliesen.
Liegt es müde, schwer und brach.
Glänzen Lachen zwischen diesen.
In dem festlichen Gemach.
Wie umschlingen wilde Reben.
Rötlich funkelt doch der Wein.
Die Glyzine träumt daneben.
Läd‘ sie doch zum Träumen ein.
Immer enger treibt das Fließen.
Während doch der Winde weht.
Selbst die Blätter es verstießen.
Dass der Hauche sie verdreht.
Sind zerbrochen jene Scheiben.
Sind sie trübe, was zerschlug.
Scheinen Stunden sie vertreiben.
Bis die Kälte sie beschlug.
- III -
Gibt es nichts, was es bezwänge.
Wie verfällt doch werter Schein.
Sind vergessen diese Gänge.
Deckt mich doch der Frieden ein.
Stehen auf Tischen alte Kästen.
Sind die Blüten ziemlich welk.
Unter Blumen und den Ästen.
Ragt ein stilles Glasgebälk.
Wie es scheint zumal verhohlen.
Starb‘ der Gärtner ziemlich alt.
Schien er Holze hier verkohlen.
War der Winter klirrend kalt.
Wollte sich der Manne wärmen.
Sorgte er sich um ein Grab.
Rührend schien er sich zu härmen.
Bis die Tote ihm vergab.
Hat die Frau ihn dann verwiesen.
Lebte er seitdem im Park.
Schlief er unter Mauern – Diesen.
Und bepflegte er den Sarg.
War es dann ganz tiefer Winter.
Lief durch Schnee der alte Greis.
Müde war der Leidgesinnter.
Von der Kälte und dem Eis.
Wollte er ihr doch bedenken.
Hat er auch ihr wohl bedacht.
Tränen mochte er nur schenken.
Überwiegte bald die Nacht.
- IV -
War der Manne krank und bieder.
Suchte er dann nach dem Holz.
Quälten ihn so sehr die Glieder.
Dass das Leben bald verschmolz.
Konnte er das wohl nicht heben.
War ihm das Gewicht zu schwer.
War das Meiden ein Bestreben.
Drückt‘ das Herze Kälte sehr.
Nacht war es so sehr geworden.
Schlief der Gärtner in dem Bau.
Zogen Wolken aus dem Norden.
Färbten Länder diese grau.
Der Froste brachte dieses Bittern.
Im Laken lag der alte Mann.
Das Feuer mochte es nur wittern.
Sodass er lang‘ nicht leben kann.
Das Feuer brannte samt der Scheue.
Es brannte zierlich und so schwach.
Und es erlosch ganz ungetreue.
Man legte halt kein Holze nach.
Erloschen wahrlich warme Funken.
Sie sprühten friedvoll im Geschehen.
In Trauer waren sie schlaftrunken.
So konnte man sie auch verwehen.
Es kam, dass es sich‘s so gesellte.
Und Froste macht das Leben stumpf.
Den Mann zerfraß die starke Kälte.
Erstarrt das Herze in dem Rumpf.
- V -
Dem Leben ist er dann entwichen.
Wie war der Winter nur erbost?
Das Sterben hat ihn dann beschlichen.
So sehr und fürwahr auch getrost.
Wie friedvoll ist er dann erblichen.
Ganz ruhig. Stille. Ohne Hast.
Die Augen schlossen sich verglichen.
Und ersparten ihm die Last...
Nun bin ich doch ins Haus geschritten.
Ich steh‘ am Ort, wo er nur schlief.
Das Laube knirscht bei meinen Tritten.
Und gleicht dem Eise förmlich tief.
Und zwischen Kübel und den Saaten.
Dort liegt ein Bilde von dem Mann.
Paar Kinder es aus Scherz zertraten.
Was man dem Rand entnehmen kann.
Zerschlagen ist und war der Rahmen.
Er ist gebrochen. Wie das Glas.
Das Bild vergilbt. Es keimen Samen.
Aus dem, was Mahnung wohl besaß.
Und mitten Moos und letzten Bänken.
Dort liegt ein totverschweigter Brief.
Die Wörter stehen und mögen kränken.
Der Mann sich dort auf Tod berief.
Es sind wohl todersuchte Zeilen.
Und kümmerlich sind sie geneigt.
Wie konnte doch der Brief verweilen?
Der Wahrheit einfach mir nur zeigt;-
- VI -
„Du werter Leser, mein Gefährte.
Ich mag’s beklagen, dir zumal.
Es war das Leben, ich entbehrte.
Und ich vergaß das Ideal.
Ich hab‘ vergessen dieses Leben.
Und ich vergaß zu leben – Sich.
Gott hat mir nur ein Sein gegeben.
Und ich vergaß zu sein wohl Ich.
Ich wusste auch, das Leben endet.
Und doch war ich im Gram vertieft.
Ich hab‘ mein Leben nur verschwendet.
Den Fehler hab‘ ich dir verbrieft.
Ich mag die Zeiten nicht verdrücken.
Das Leben ist vielleicht so schier.
Das Sterben scheint mir ewig glücken.
Dann bin ich halt gewiss bei ihr.
Ich kann nicht leben ohne Leiden.
Es gibt nichts Gutes, was beruht.
Zu Tode küsset mich dieses Meiden.
Gefriert in mir das letzte Blut.
Ich war gehüllt in tausend Mühen.
Und alles hat mich sehr berauscht.
Wir sind die Blumen, die nicht blühen.
Wie sehr erpicht. Und sehr getauscht.
Und mitten dieser sämtlich‘ Bitten.
Das Sterben macht die Menschen klein.
Ich habe doch wie sehr gelitten.
Und doch gedenke mir wohl mein.
Und mitten diesem letzten Scheiden.
Das war das Laster, das mir droht.
Wir Menschen sind, die ewig leiden.
Bis küsst uns Liebste, liebster Tod.
Ich will verschlafen. Nicht verbluten.
Und bin ich tot, dann bin ich wach.
Mein Engel, magst du das vermuten.
In diesem herbstlichen Gemach.
Und zwischen diesen Farnengrüßen.
Geschieht nun das, das unsre Los.
Die Erden liegen uns zu Füßen.
Mein Kissen ist das weichste Moos.
Es gibt auch nichts, was ich erzwänge.
Die Perlendecke, die mich legt.
Ich höre dann die letzen Klänge.
Bevor der Hauch sich mir verschlägt.
So sei es denn, was mir auch kehrte.
Die letzte Stunde sei verbraucht.
Das Leben bleibt das Unversehrte.
Bevor „Leb‘ wohl“ ich still gehaucht.
Ich mag versehen doch dieses Haupte.
Vom Bösen gleicht es dem Verruf.
Es bleibt für immer das geraubte.
Weil Gott es einst so mild erschuf.
Auch bist du Leser liebster Sitten.
So merke dir, was hier wohl stand.
Als Sucher mag ich dir erbitten.
Der Brief hat sich dir eingebrannt.
Das Schicksal hast du nun getroffen.
Verbrennt es Stunden wie ein Docht.
Ich mag dir nur das Glück verhoffen.
Bevor deine Herze doch verpocht.
Ich mag dich Leser wohl belehren.
Das Leben doch so schnelle zieht.
Du sollst es schätzen und es ehren.
Da ich zu rasch davon verschied.“
- VII -
Der Abschied rühmt sich meiner Weise.
Und immer später schweigt die Nacht.
Die Stunden tränken mich recht leise.
Der Herbst hat Früchte mitgebracht.
Und scheinbar ist die Nacht entwichen.
Die Kühle riecht nach frischem Rauch.
Und Freude hat mich rasch beschlichen.
Denn kenne ich den Dufte auch.
Es riecht nach schwerer müder Erde.
Als sprechen Welten ein Gebet.
Es riecht nach Hoffnung und Gebärde.
Es riecht, dass jeder sich versteht.
Es riechen Weihrauchs feinste Noten.
Vermengt mit Teig und frischem Brot.
Es sind die Stunden, die geboten.
Wie wälzen sich die Flammen rot?
Wie riecht im Schatten süßer Harze?
Ich höre Lieder zart und warm.
Und über uns liegt Nacht, die schwarze.
Ein Mädchen trägt ein Korb im Arm.
„Und willst du dich zu mir gesellen?
Wir feiern doch des Herbstes Fest.
Da während auch die Feuer schwellen.
Da uns der Herbste bald verlässt.“
„Ich kann das einfach nicht entbehren.
Ich komm‘ zu euch, am End‘ gewiss.
Es scheint mich wirklich sehr zu ehren.
Dass ich das Fest hier nicht vermiss‘.
Und samt den schönen alten Nächten.
Durchzieht die Länder dieses Garn.
Die Altweibssommer unbedächten.
Dass diese uns vor Prachte warn.“
„Und siehst du nicht den Feuerbogen?
Das Feuer tanzt in sich und glimmt.
Es scheint doch nichts, was uns belogen.
Die Schönheit ist, was uns bestimmt.
So hörst du auch, ich bin recht sicher.
Die Kinder lachen im Gebraus.
Wie schön erklingt doch das Gekicher.
Und schnitzen sie die Kürben aus.“
„Ich seh’s natürlich diese Kürben.
Und Äpfel, Birnen, die Begier.
Und wenn die Feste bloß verstürben.
Wie träge wär’s das Leben hier?
Das Feste hat mein Herz verschlagen.
Die Freude, welche diese schallt.
Ich mag das Glück in Händen tragen.
Bevor der Schnee es mir bemalt.“
Erspielt jene Geige die Küsse zu selig.
Und einige singen die Lieder bewegt.
Die Seele erlöst sich wirklich allmählich.
Das Herze es hat sich in meiner erregt.
Im Äther, da weilen die ersten Gestalten.
Umkränzen den Morgen in ewiger schier.
Im Frieden die Reife sich selig verhalten.
Mit ewiger Stille. Mit liebster Manier.
Im Himmel erstrahlt das goldene Weben.
Und hat sich der Morgen inmitten gewebt.
Begrüßt er doch alle, die alle sich geben.
Wie hab‘ ich die Nacht willkürlich erlebt.
Und bilden die Tage die herbstlichen Fäden.
Ich bin nur ein Dichter, der vieles vergaß.
So gibt es noch Hoffen für alles und jeden?
Obwohl ich ein Leben im Herz nie besaß.
Berlin Biesdorf-Süd
08.08.2024 & 09.08.2024
© Marc Donis
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